Wie super sind Superfoods?

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Superfoods liegen im Trend. Ob aus Südamerika, Asien oder Amerika, der Reiz an fremden und exotischen Lebensmitteln wie  Goijbeeren, Chiasamen, Spirulina, Matcha, Amaranth, Quinoa, Kokosöl oder Hanföl ist groß. Eine offizielle fachlich oder rechtlich bindende Definition für Superfoods gibt es nicht.

Laut den Marketingfachleuten versprechen sie wahre Kraftpaket zu sein, die reich an wertvollen Vitaminen, Mineralien, Sekundären Pflanzenstoffen sowie Ballaststoffen sind. Und tatsächlich liefern diese Lebensmittel viele Nährstoffe.

Chiasamen zum Beispiel enthalten fünfmal soviel Kalzium als Milch und der Eisengehalt, der in den Samen steckt übertrifft den von Spinat. Häufig in den Blickpunkt werden die Omega-3-Fettsäuren der Chiasamen gerückt, die unter anderem als entzündungshemmend gelten. Auch beinhalten sie viele Antioxidantien, wie zum Beispiel Phenolsäuren. Diese Wirkstoffe sollen die körpereigenen Zellen vor freien Radikalen schützen.

Kritisch zu betrachten ist der Verzehr von Pflanzenresten wie Stiele und Kerne in zermahlener oder frisch pürierter Form. Diese Pflanzenteile enthalten häufig natürliche und vor allem toxische Inhaltsstoffe wie Blausäure oder Solanin, welche in höheren Dosen zu Vergiftungserscheinungen mit Krämpfen, Erbrechen und Atemnot führen können. Deshalb ist zum Beispiel der Verzehr von Avocadokernen keine gute Idee. Zudem ist ein gesundheitlicher Nutzen dieser Pflanzenteile nicht wissenschaftlich belegt.

Das ist allerdings nur ein Aspekt des Ganzen. Denn der Blick wird an dieser Stelle nur auf einige spezielle Lebensmittel gelenkt und deren gesundheitsförderlichen Inhaltsstoffe beschrieben. Zum Vorteil derer, die die Superfoods verkaufen wollen.

Allerdings weisen vielen heimische Lebensmittel ähnliche Vitamin- und Mineralstoffmengen auf und können daher locker mit den Superfoods mithalten.

So übertreffen Leinsamen zum Beispiel bezüglich der Omega-3-Fettsäuren sogar die Chiasamen. Weitere regionale Produkte, die Superfoodcharakter besitzen wären unter anderem Heidelbeeren, Walnüsse, Spinat, Feldsalat, Karotten und diverse Kohlsorten.

Weil die Nachfrage nach den vermeindlich gesundheitsfördernden Lebensmitteln steigt, steigt häufig auch der Einsatz von natürlichen Düngemitteln (vor allem Fäkalien) und in der EU nicht zugelassenen Pflanzenschutzmitteln, die dem Superfood ein schnelles und super wirksames Wachstum garantieren.

Je nach Herkunft können frische oder getrocknete Kräuter und Gräser mit Darmbakterien verunreinigt sein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung nimmt dies zum Anlass, um vor allem Risikogruppen wie Schwangere, immungeschwächte Personen, Kinder und Senioren vor dem Verzehr dieser Produkte zu warnen.

Besonders getrocknete Pflanzenprodukte wie  Mate-  und Grünteeblätter, Spirulina oder Chlorella sind oft mit schädlichen Rückständen in höheren Mengen belastet.

Nicht selten lässt sich das umstrittene Pestizid Glyposhat in einigen Superfood-Produkten eindeutig nachweisen. Neben Pestiziden und gefährlichen Krankheitserregern lassen sich auch Rückstände von Mineralölen und Schwermetallen wie Cadmium nachweisen.

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Ganzheitlich betrachtet stammt das wahre Superfood aus ökologischem Anbau. Der Verzicht auf Pestizide, mineralische Stickstoffdünger, Gentechnik und künstliche Zutaten führt zu einer höheren Qualität als das konventionelle Angebot. Hierbei kommen die strengen Richtlinien der Anbauverbände wie zum Beispiel Demeter oder Bioland besonders gut zum Tragen. So können Biolebensmittel weniger wertmindernde Inhaltsstoffe enthalten und wirken sich dadurch auch indirekt auf einen gesunden Lebensstil aus.

Dass Bioerzeugnisse eine echte Alternative darstellen zeigt das Beispiel Quinoa. Als heimische Alternative eignet sich hier Hirse gut. In Bio-Qualität weist Hirse keine Pestizide auf und durch den Einsatz von organischen Düngemitteln sind nur Spuren von Cadmium enthalten. Letztendlich überzeugen aber Bioprodukte in jedem Fall im Hinblick auf Ökologie, Nachhaltigkeit und Sozialverträglichkeit.

Aktuell wird das sogenannte Urgetreide von vielen Verbrauchern als äußerst gesund assoziiert und kann somit auch in die Kategorie Superfood eingeordnet werden. Als Urgetreide bezeichnet werden die zur Gattung Weizen gehörenden Getreidearten Einkorn, Emmer, Dinkel und Khorasan-Weizen sowie Waldstaudenroggen. Dabei ist die Bezeichnung „Urgetreide“ rechtlich nicht geschützt. Generell kann nicht davon ausgegangen werden, dass Urgetreidearten bessere ernährungsphysiologische Eigenschaften besitzen als Kulturgetreidearten.

Obwohl sie sich in dem einen oder anderen Nährstoffgehalt zu Gunsten des Urgetreides etwas unterscheiden, liefern Brot und Kleingebäcke aus allen Getreidearten wichtige Nährstoffe. So spielen vor allem die Versorgung mit B-Vitaminen, einigen Mineralstoffen, Ballaststoffen, Proteinen und Energie eine besondere Rolle.

Das ist allerdings nur für Getreideerzeugnisse aus dem vollen Korn gültig, da sich hier noch alle Nährstoffe im Getreidekorn befinden. Ob Brot und Kleingebäcke aus Weizen vertragen werden, kann neben der Teigführung (Teig- und Gartemperatur, Gardauer, Rezeptur, Wassergehalt) auch an einer  Gruppe von Eiweißen, kurz ATI genannt (AmylaseTrypsinInhibitoren) liegen und muss nicht zwangsläufig auf das Klebereiweiß Gluten zurückzuführen sein.

Besteht also keine medizinische Notwendigkeit auf Gluten zu verzichten, sollten Vollkornprodukte ganz gleich welcher Getreideart auf dem täglichen Speiseplan zu finden sein.

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Jedes Lebensmittel – ob Superfood oder nicht – enthält Nährstoffe in unterschiedlichen Mengen. Es wäre zu kurz gefasst, sich auf die gesundheitlichen Vorteile einer wenigen Lebensmittel zu verlassen. Stattdessen sollte der Grundsatz lauten: Je vielfältiger und bunter, desto besser. Eine vielfältige und abwechslungsreiche Ernährung versorgt uns mit allen notwendigen Nährstoffen, schont außerdem den Geldbeutel und nicht zuletzt die Umwelt sowie den Menschen. Und was dem Menschen und seinem Lebensraum dient, dient auch seiner Gesundheit.
Das Thema Superfood liegt wohl im Auge des Betrachters. Es lohnt sich also diese ganz speziellen Lebensmittel auch als speziell zu sehen und den Blick – wie die Ernährung – auf den Aspekt der Vielfältigkeit zu lenken.

Quellen: UGB Forum 1/18